Christian Gottlob Klemm: Der auf den Parnaß versetzte grüne Hut (1767, Inhaltsangabe 1903)
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Oscar Teuber: Inhaltsangabe zu: Der auf den Parnaß versetzte grüne Hut [von Christian Gottlob Klemm, 1767]. In: Die Theater Wiens. 2. Band, 1. Halbband: Das k. k. Hofburgtheater seit seiner Begründung. Wien: Gesellschaft für vervielfältigende Kunst 1903. S. 128-129.

Der auf den Parnaß versetzte grüne Hut (von Klemm, 1767)

(Inhaltsangabe von Oscar Teuber, 1903)

<Seite 128:>

Die Handlung beginnt auf dem Parnass. Thalia klagt Apoll ihr Leid: »Man will mein Reich zerstören, Munterkeit und Scherz verjagen, man hat aus Mangel eigener Talente die schwärzeste Verschwörung wider mich gemacht«. – Apollo erwiedert verständnissvoll: »Ich weiss, wen deine Klage betrifft; mit tausend Freuden will ich dir Recht schaffen. O, wer hätte sich vorgestellet, dass dieses anfangs so liebenswürdige Mädchen, die Kritik, das das beste Herz von der Welt hatte, das nie ein niedriger, elender Neid zerfleischte, das ohne alle Bosheit war, in eine so schreckliche Furie ausarten sollte!« – Thalia schreibt dies dem bösen Einflusse des Mannes zu, mit dem sie sogar gegen Apoll conspirire, um ihn aus dem Parnass zu vertreiben, ihn und sich auf seine Stelle zu setzen. – Die Kritik erscheint, sehr tapfer und unverschämt gegen Apoll, der sie energisch zurückweist und ihre Verirrungen tadelt. »Deine Schüler«, ruft er, »denen der Beifall in der Seele wehthut, verschreien jedes neue, über die pedantische Wissenschaft erhabene Stück, sie führen statt Federn Schlangen .....« Die Kritik ist gar nicht gerührt und lacht sich ins Fäustchen, wie Mercur erscheint und eine Verschwörung gegen den »grünen Hut« und dessen beabsichtigte Verjagung aus Thaliens Tempel anzeigt. Apoll soll entscheiden, ob dieser Plan gelingen darf. Er beschliesst, mit seinem Gefolge zu den Sterblichen herabzusteigen und selbst eine Komödie mit Hanswurst zu spielen – da werde er sehen, wer Recht habe. Der zweite Aufzug bringt diese Komödie in der Komödie. Apoll erscheint als Leander, Thalia als Isabelle, Mercur als Clitander. Mercur findet Prehauser in bürgerlicher Person gerade mit Sonnenfels »Wochenblättel« beschäftigt und sehr verwundert, dass man ihn trotz der bösen Kritik darin zu einer Vorstellung einlade. Da er aber keinem Menschen ein Vergnügen abschlagen kann, nimmt er die Einladung an, ebenso Odoardo-Weiskern, dieser Liebling Thaliens. Nun gibt es ein lustiges Zwischenspiel, das Prehauser-Hanswurst in einer Reihe meisterhafter Maskeraden zeigt. Verständnisinnig begrüsst man ihn in der Maske des »Gelehrten«. – »Sonnenfels, Sonnenfels«, murmelt es freudig im Publicum. Und jedes Wort Hanswursts bestätigt diese scharfsinnige Entdeckung. Der »Gelehrte« erzählt freudig, er habe es schon so weit gebracht, dass der grüne Hut nicht mehr gefalle; denn er sei gegen den guten Geschmack. »Ja was ist denn der gute Geschmack?« frägt der Partner. – Hanswurst-Sonnenfels: »Was ich davor ausgebe. Nichts Lustiges, aber lange moralische Abhandlungen, wobei man ruhig ausschreiben kann, ohne dass man sich weiter weh zu thun braucht und wodurch man <Seite 129:> mit Bequemlichkeit die Leute einschläfert .....« Schliesslich hält Leander eine auf Justus Möser (»Harlekin« oder »Vertheidigung des Grotesk-Komischen«) basirte Lobrede auf Hanswurst, die Kritik kehrt sich von dem bösen Sonnenfels ab und will Hanswurst-Prehauser auf den Parnass erheben. Er sträubt sich wegen des verpönten »grünen Huts«, der die Kritiker sicherlich veranlassen würde, den Himmel zu stürmen; aber Thalia besteht auf seiner Himmelfahrt im Hanswurst-Costüme: »In diesem Hut, in dieser Kleidung haben Sie rechtschaffenen Leuten so viel Vergnügen gemacht, Ihre Carricaturenmalerei würde ihre Stärke in tausend Gemälden verlieren, die scheinbare Dummheit, mit der Sie das Lächerliche oft so glücklich aufdecken, würde das Vergnügen nicht mehr erwecken. Lassen Sie mich ihren Hut aufsetzen und verlachen Sie Ihre thörichten Feinde!« – Und gerührt declamirt Leander-Huber als Apoll, indem er seine Gäste gnädig entlässt: »Mein Prehauser, das Entzücken durchdringt meine ganze Seele. Schon seit 44 Jahren vergnügen Sie einen Allerhöchsten Hof, einen höchsten Adel und ein erleuchtetes Publicum. Das muss Ihnen der kräftigste Trost und Beruhigung sein .... Fahren Sie fort, unser Reich zu erweitern und rechtschaffene Leute zu vergnügen«. Prehauser: »Ja, das will ich thun, solange mein grauer Kopf noch Gedanken sammeln kann, solange dieser alte Körper noch aufrecht steht, solange werde ich all meine Kräfte anwenden, dem grössten Hofe Europas und der besten Nation meine komischen Vorstellungen zu widmen.«


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