Brawe Ressourcen. Philipp Yung: Alphabetische Liste aller gelehrten Juden und Jüdinnen ... (1817) (S. I–XIV)
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Philipp Yung: Alphabetische Liste aller gelehrten Juden und Jüdinnen, Patriarchen, Propheten und berühmten Rabbinen, vom Anfange der Welt bis auf unsere Zeiten, nebst einer kurzen Beschreibung ihres Lebens und ihrer Werke. Leipig: C. E. Kollmann 1817. S. I–XIV (= Titelseite, Zueignung, Vorrede).

<Seite I:>

Alphabetische Liste

aller

gelehrten Juden und Jüdinnen, Patriarchen,
Propheten und berühmten Rabbinen,

vom

Anfange der Welt bis auf unsere Zeiten,

nebst

einer kurzen Beschreibung ihres Lebens
und ihrer Werke,

von

M. P. Yung.


Leipzig,
in Commission bey C. E. Kollmann.
1817.

<Seite II:>

<Seite III:>

Dem Unpartheiischen.

Durch die Erscheinungen mehrerer vor kurzem herausgekommenen Flugschriften, welche Verleumdungen gegen die Juden im höchsten Grade beabsichtigen, und die in den Augen des edeldenkenden Menschen äußerst niedrig scheinen müssen, bin ich bewogen worden, die Betrachtungen, die ich schon vor mehren Jahren bey der Sammlung berühmter Männer unter den Juden machte, öffentlich an den Tag zu legen.

Mögen doch die elenden Verfasser solcher Schriften das Unrecht einsehen, eine Nation zu verunglimpfen, durch welche die Menschheit eine so hohe Stufe der Vollkommenheit erreicht hat.

<Seite IV:>

In der Ueberzeugung, daß unter einer Menge von Fanatikern die Welt sich auch vieler Aufgeklärten zu erfreuen hat, die keineswegs von Vorurtheilen geblendet, einzig und allein der Vernunft Gehör geben, wagte ich es, dieses Werkchen Ihnen zuzueignen; Sie werden finden, daß meine Absicht zu den unpartheilichsten gehört. Mögen Sie Nachsicht mit den Mängeln dieses Buchs haben! in dieser Hoffnung empfiehlt sich

Dero gehorsamster
M. P. Yung

<Seite V:>

Vorrede.

Schon so mancher Menschenfreund, fern von aller Schwärmerey und niedrigem Eigennutze, belebt von reinem menschlichen Gefühle hat sich bemüht, die Vorurtheile, die sich fast täglich gegen die Juden immer mehr erhoben, durch Gründe und Widerlegungen zu dämpfen, und die Ungerechtigkeiten, die Bedrückungen unter denen die Juden seit Jahrhunderten seufzen, mit den ächtesten Farben zu schildern.

<Seite VI:>

Die Juden haben Vertheidiger in Männern gefunden, die selbst auf die Regierung Einfluß hatten, und die das Wohl dieser Unglücklichen den Monarchen ans Herz legten.

Der Herr von Dohm, der Bischof Gregoire und andere mehr gingen mit guten Beispielen voran. Diese Edlen wurden gewiß von keinem Eigennutze geleitet, sie bestrebten sich so viel es in ihren Kräften stand, den Juden zum Genusse bürgerlicher Rechte zu verhelfen. Es sind in der neuern Zeit Männer unter ihnen hervorgegangen, die an Einsichten denen aller andern Glaubenspartheien nicht nachstanden, und die um so mehr im Stande waren, die unglückliche Lage ihrer Brüder zu schildern, da sie selbst mit fanatischen Vorurtheilen der Juden zu kämpfen hat- <Seite VII:> ten, die ihnen unübersteigliche Hindernisse in den Weg legten. Doch alles war vergebens, die Schriften dieser Edlen wurden ein Raub der Vergessenheit, sie wurden von andern Schriften verdrängt, welche aus dem Grunde mit Begierde gelesen wurden, weil sie Eingebung des Hasses und der Verfolgung waren, die Juden der bürgerlichen Rechte unwürdig und unfähig erklärten, und sie auf diese Art völlig von der menschlichen Gesellschaft abzusondern beabsichtigten.

Der Versuch, in diesem Werke eine Liste der berühmten Männer in Israel aufzustellen, beabsichtigt: durch Belege zu beweisen, daß trotz der Bedrückungen, trotz der Ausschließung von allen Gewerben, den Handel ausgenommen, ungeachtet der grausamen und abscheulichen Verordnung, <Seite VIII:> daß die Kinder jüdischer Eltern an dem öffentlichen Unterrichte, dessen sich jede andere Glaubensparthei erfreuete, keinen Theil nehmen durften *), ein Gesetz durch welches fast jeder emporkeimende Geist in der Geburt ersticken mußte, und wodurch fast jede Spur von Civilisation erlosch, die wir doch so begierig den wilden Bewohnern der neuentdeckten Welttheile aufdrangen, um sie in gleichen Rang mit den übrigen Menschen zu stellen; daß trotz aller dieser Steine des Anstoßes sage ich, sich Männer unter ihnen gebildet haben, die gewiß eben so gut als die Großen unter den Griechen und Römern, Völker mit denen wir in Hinsicht der Religion keinesweges so <Seite IX:> nah verwandt sind, wie mit den Juden, mit Recht unsere Aufmerksamkeit verdienen.

Ein Blick auf diese Männer dürfte vielleicht vor mancher andern Schrift auf das Gemüth der den Juden leider noch in so großer Anzahl abgeneigter Christen einen guten Eindruck machen, es dürfte sie mit den Juden versöhnen, man wird ihnen den Geist nicht absprechen können, der ihnen eben so wie jedem andern vernünftigen Geschöpfe vom Himmel zu Theil ward, man wird ihre Brauchbarkeit in der menschlichen Gesellschaft anerkennen, und sie auf diese Weise desto eher durch völlige Einräumung aller Menschenrechte den übrigen Bürgern gleichstellen.

Und wahrlich wer müßte es nicht bewundern, daß eine verwiesene, und bis <Seite X:> vor einem Jahrhunderte fast überall verfolgte Nation, die zufrieden, wenn die Verfolgung der fanatischen Christen sie in dem Genuß geringer irrdischer Güter ließen, und diese folglich wenig an die Ausbildung des Geistes denken konnte, Männer hervorbrachte, welche noch immer als Muster aufgestellt werden könnten?

Zu einer Zeit wo die Welt in Finsterniß und Aberglauben lebte, hatten die Juden schon einen Moses, der mit Recht der göttliche Mann genannt werden kann; er vermochte es, seine Brüder für die Güte Gottes empfänglich zu machen, und stellte religiös-moralische Lehren auf, die für die Nachwelt immer heilbringend seyn werden.

Die Rechte einer freyen Nation genießend, unter der Herrschaft ihrer eignen <Seite XI:> Könige, konnten die Juden ihren Geist nach Willkühr ausbilden, und in der That zeichneten sie sich dadurch vor den damals lebenden Völkern aus. Die Juden konnten sich eines Davids, der durch seine Psalmen, eines Salomo der durch seine Weisheit unsterblich ist, rühmen.

Ihr Reich hörte auf, sie wurden von den väterlichen Fluren vertrieben, tief gebeugt von der Last der Fesseln, in die sie geschmiedet wurden, wanderten sie in fremde Länder; aber ihr Geist ließ sich nicht so leicht niederdrücken. Sie zeichneten sich auch hierin vor allen andern Völkern aus, die mit ihrer Freiheit und ihrem Vaterlande alles verloren hatten, die nach ihrer Unterwerfung, weder ihre Vorfahren, noch die Schriften ihrer ehemaligen Gelehrten kannten.

<Seite XII:>

Man hat nichts unversucht gelassen, der Existenz der Juden ein Ende zu machen, sie aus der Liste der Nationen auszustreichen, und sie durch Vermischung mit andern, mit der Wurzel auszurotten. Es gelang ihren Gegnern zwar, sie zu vertreiben, sie von den gegen starke Auflagen bewilligten Wohnorten zu vertreiben, und sie sogar noch in der Mitte des vorigen Jahrhunder[t]s, in manchen Ländern mit einer Schmach zu bedecken, deren sich das civilisirte Europa schämen sollte: dennoch erhielten sie sich. Sie blieben dem Glauben ihrer Väter treu, und hatten Männer in ihrer Mitte, welche durch ihre tiefe Gelehrsamkeit nicht nur auf die Juden wirkten, sondern auch trotz der Verfolgung und des Neides von ihren christlichen Mitbrüdern bewundert wurden.

<Seite XIII:>

Der Geist der Humanität scheint jetzt, Gott sey Dank, sich bey uns blicken zu lassen; die Israeliten athmen freyer, und man wird eingestehen, daß sie sich ganz von dem Vorwurfe, den man ihnen macht, sich nicht durch Sitten und Bildung an die Christen anschließen zu wollen, immer mehr befreien, und bedeutende Fortschritte in allen Fächern der Wissenschaften machen.

Der Zweck dieses Buchs ist demnach zugleich die jüdische Jugend mit den weisen und wichtigen Männern ihrer Nation vertraut zu machen, und derselben eine größere Achtung gegen diese Männer einzuflößen; denn obgleich man in allen Erziehungs-Schriften von den Weisen und Helden des Alterthums spricht, und sie der Jugend zur Nachahmung empfiehlt, <Seite XIV:> so ist dennoch wenig oder gar nicht von den Jüdischen darin Erwähnung gethan.

Ich würde mich hinlänglich belohnt fühlen, wenn diese meine Absichten, die keineswegs durch Eigennutz hervorgebracht wurden, indem der Preis des Buches äußerst billig angesetzt ist, durch dasselbe erreicht würden.

*


<Seite VIII:>

*) Erst vor nicht langer Zeit wurde diese Verordnung in vielen Staaten aufgehoben.

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