Brawe Ressourcen. Material zu Johann Friedrich Ernst von Brawe (1746–1806)
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Friedrich August Weiz: Das gelehrte Sachsen oder Verzeichniß derer in den Churfürstl. Sächs. und incorporirten Ländern jetztlebenden Schriftsteller und ihrer Schriften. Leipzig: Schneider 1780. S. 29. (Digitalisiertes Faksimile.)

<Seite 29:>

von Brawe, (Johann Friedrich Ernst) Churf. Sächs. Hauptmann von der Infanterie, und Vice- Gleits- und Landacciscommissarius im Thüringischen Creyse seit 1777, vorher von 1766 Sous- und zuletzt Premier-Lieutenant bey dem Regiment Churfürst Infanterie, hält sich auf zu Cölleda in Thüringen; gebohren zu Pausche bey Osterfeld in Thüringen den 13ten Dec. 1746. Vater: Johann Jacob von Brawe, weiland Churf. Sächs. geheimer Cammer- auch Cammer- und Bergrath. Studierte zu Schulpforta und Leipzig. §§. Standrede bey der Beerdigung des Generallieutenants von Zeutzsch, gehalten auf dem böhmischen Kirchhofe in Dresden. Dresden 1771. 4. Wochenblatt für Erwachsene. 3 Bände. Weissenfels und Leipzig 1772–1773. 8.


Georg Christoph Hamberger; Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. 5., durchaus verm. u. verbess. Aufl. Bd. 1. Lemgo: Meyer 1796. S. 418–419. (Digitalisiertes Faksimile.)

<Seite 418:>

von BRAWE (Johann Friedrich Ernst) kursächsischer Hauptmann von der Infanterie (nur dem Charak- <Seite 419:> ter nach) und Vice- Geleits- und Landacciskommissar im Leipziger, Neustädtischen und Voigtländischen Kreise zu Leipzig seit 1785 (vorher seit 1777 im Thüringischen Kreise zu Cölleda; vorher seit 1766 Sous- und zuletzt Premieur-Lieutenant bey dem Regiment Kurfürst Infanterie): geb. zu Pausche bey Osterfeld in Thüringen am 13 Dec. 1746. §§. Standrede bey der Beerdigung des Hrn. Generallieutenant von Zeutsch. 1771. 4. * Wochenblatt für Erwachsene. Weissenfels 1772. 8. * Eleonore; eine dramatische Oper. ebend. 1773. 8. * Raisonnirendes Theaterjournal von der Leipziger Michaelmesse 1783. Leipzig 1784. 8.


Georg Christoph Hamberger; Johann Georg Meusel: Das gelehrte Teutschland oder Lexikon der jetzt lebenden teutschen Schriftsteller. 5., durchaus verm. u. verbess. Aufl. Bd. 11. Lemgo: Meyer 1805. S. 99. (Digitalisiertes Faksimile.)

<Seite 99:>

von BRAWE (Johann Friedrich Ernst) starb vor mehrern Jahren.


Carl Bodo Wilhelm Senfft von Pilsach; Johann Friedrich Ernst von Brawe: Ode an Herrn M. Christian Gottfried Grabener, bey Seinem Antritte des Rectorats in der Churfürstlichen Landschule Pforte. Leipzig: Löper [1761]. (4 Seiten, unpag., Original im Archiv Schulpforta.)

Ode
an Herrn
M. Christian Gottfried
Grabener,

bey
Seinem Antritte des Rectorats
in der Churfürstlichen Landschule Pforte

von
Carl Bodo Wilhelm Senfft von Pilsach
und
Johann Friedrich Ernst von Brawe.

Leipzig,
Gedruckt mit Löperischen Schriften.




Als er – sein Nahme lebt noch spät in den Geschichten,
    Wo er Bewundrung sich erwarb,
Als unser Freytag nun, groß durch vollbrachte Pflichten,
    Des Todes der Gerechten starb;

Und, voll Unsterblichkeit schon in den höhern Sphären
    Dem Lande der Belohnung nah,
Zurück auf unsern Schmerz und unsre frommen Zähren
    Herab ins Land der Prüfung sah;

Da kehrten wir den Blick nach ihm und seinem Lichte
    Das ihn schon hell umglänzte, zu,
Das Heil der Himmel war in seinem Angesichte
    Und aller Seligkeiten Ruh.

»Dich hielten,« riefen wir, »o Lehrer, unsre Schmerzen
    Und unsre Thränen nicht zurück?
Tief, tief, empfinden wir die Wunden unsrer Herzen
    Und seufzen laut um unser Glück.

Die Pforte seufzt mit uns, und klagt, daß ihre Krone
    Vom Haupt ihr abgefallen ist,
Klagt, daß ihr Ruhm nicht mehr auf Marmorsäulen throne,
    Weil du von ihr genommen bist.

Wer wird nun so wie du fern ihren Ruhm verbreiten?
    Wer wird wie du ihr Schmuck nun seyn?
Und ihr der Nachwelt Lob, das Lob der späten Zeiten,
    In hohen Monumenten weihn?

Wer wird nun so wie du in frommen Eifer glühen
    Für Tugend und Religion?
Das Laster, das mit ihm die schlauen Ränke fliehen,
    Mit Majestät und Ernst bedrohn?

Und Jünglinge, daß einst durch sie die Staaten blühen,
    Beglückt durch Vorsicht, groß durch Ruh,
Nun für Auguste noch so rühmlich auferziehen,
    Und patriotisch so wie du?«

Von Sonnen, die itzt schon zu seinen Füßen glänzten,
    Sah unser Freytag unter sich,
Nahm einen Palmenzweig, da Engel ihn umkränzten,
    Und wieß, o Grabener, auf Dich.


[Johann Friedrich Ernst von Brawe:] Standrede welche bey der Beerdigung des Herrn General=Lieutenant und Geh. Kriegsraths=Vice=Präsidenten August Siegmund von Zeutzsch den 3ten Februar 1771. von dem Sous=Lieutenant von Brawe, bey dem Regiment Churfürst Infanterie, gehalten worden. Dresden: Gröll [1771]. (SLUB Dresden, Signatur: Hist.Sax.D.635,22. – Digitalisat hier.)

<Seite 1:>

Standrede
welche
bey der Beerdigung
des
Herrn General=Lieutenant und Geh. Kriegsraths=
Vice=Präsidenten

August Siegmund
von Zeutzsch

den 3ten Februar 1771.
von dem
Sous-Lieutenant von Brawe,
bey dem Regiment Churfürst Infanterie,
gehalten worden.


Dresden,
zu finden in der Gröllischen Buchhandlung.

<Seite 3:>

So hat denn abermals der verderbliche Feind unsers Geschlechts eine schmerzhafte Probe seiner über alle Alter, über alle Stände, selbst über die glänzendesten Verdienste, ausgedehnten, fürchterlichen Gewalt, abgelegt. Dieser Gedanke, Durchlauchtige Prinze, Hoch= und Hochwohlgebohrne, Höchst= und Hochgebietende, allerseits Höchst= und Hochgeehrteste Anwesende, dieser Gedanke, sage ich, muß nothwendig einen jeden unter uns beschäftigen, welcher seine Augen auf diese Bahre richtet, und auf selbiger den erblaßten Leichnam des weiland Hochwohlgebohrnen Herrn, Herrn August Siegmund von Zeutzsch, aus dem Hause Burg, auf Drebach, <Seite 4:> Sr. Churfürstl. Durchl. zu Sachsen Hochbestalt=gewesenen General=Lieutenant von der Cavallerie, auch Vice=Präsidenten des Geh. Kriegsraths=Collegii, erblicket. Dieser Gedanke ist die Quelle der allgemeinen, wehmüthigsten, gerechtesten Klagen über den Verlust eines Mannes, welcher das Feuer seiner jugendlichen Jahre, den Durst nach Ehre und Ruhm, so lange in Zaum hielt, bis er sich tüchtig gemacht hatte, durch gründlich erlernte Wissenschaften dem Vaterlande eben so nützliche Dienste, als mit dem Degen, zu leisten; welcher sodann sich erst der niedrigsten Stelle des Soldatenstandes widmete, und von einer derselben zur andern Schritt vor Schritt fortgieng, um sich mit denen, einer jeden besonders obliegenden Pflichten desto besser bekannt zu machen; welcher in einer Zeit von vierzig Jahren zu dem Grade eines General=Lieutenants in der Armee, und zugleich eines Vice=Präsidenten bey dem Geh. Kriegsraths=Collegio, empor gestiegen ist, welcher allemal den ruhmvollen Namen eines braven und ehrlichen Mannes behauptet, und sich den Beyfall seines Landesherrn, das Lob seiner Vorgesetzten, die Bewunderung seiner Freunde, die Ehrfurcht und Liebe seiner Untergebenen, zuwege gebracht hat.

Zu sehr überzeugt von der Schwäche meiner Beredtsamkeit, wage ich es nicht, die einzeln Züge dieses vollkommenen Characters durch unvollkommene Lobeserhebungen zu verdunkeln. Euch aber erkühne ich mich aufzufordern, Erhabene in dieser Versammlung, die Ihr aus eigenen Empfindungen, erleuchteten Einsichten, geprüften Erfahrungen, die Eigenschaften eines großen Generals zu bestimmen wisset, <Seite 5:> Euch erkühne ich mich aufzufordern; Euer Urtheil entscheide es, wie würdig der Verstorbene dieses Namens gewesen ist. Euer Zeugniß bestätige es, wie glücklich er seine Talente in verschiedenen, ja fast in allen Fächern zu gebrauchen gewußt, wie oft er einen unerschrockenen Muth mit einer klugen Behutsamkeit verbunden, und dadurch seinen Unternehmungen den vortheilhaftesten Ausschlag gegeben hat. –

Gerecht sind daher die allgemeinen Klagen über den Verlust eines Mannes, dessen patriotischer Diensteyfer täglich etwas gutes, etwas, dem Interesse seines Landesherrn, der Wohlfarth seiner Mitbürger ersprießliches, zu bewürken bemühet war. Gewiß die meisten aus dieser zahlreichen Versammlung werden mir, in diesem Augenblick durch eine innere Ueberzeugung, den Erfolg jenes unermüdeten Eyfers vielleicht noch neuerlich erfahren zu haben, bewogen, einen stillschweigenden und wehmüthigen Beyfall geben. Gerecht aber auch sind, vorzüglich die Klagen, gerecht die ängstlichen durchdringenden Seufzer, einer, von dem empfindlichsten Schlage bis zur Erde gebeugten Familie; Gerecht die Thränen, welche über den Verlust eines Gemahls, eines Vaters, eines Freundes, wie Zeutzsch war, fließen. »In ihm haben wir alles verlohren! – Kein Trost kann uns aufrichten! – Kein Balsam kann unsere Wunde heilen! – Sie wird immer bluten, denn in ihm haben wir alles verlohren! – –« Dieses sind die Ausdrücke der Wehmuth, in welchen sich eine trostlose Wittwe, trostlose Kinder, bey jeder Erinnerung ihres Verlustes nicht erschöpfen können. –

<Seite 6:>

Und doch will ich es wagen aus dem Verhältnisse des Zustandes, in welchen unser Hochseel. Herr General von dem Augenblick an, der ihn der Welt, dem Vaterland, seinen Freunden, seiner Familie, entrissen, dem Geiste nach versetzet worden ist, gegen die Tage seines ruhmvollen Lebens, eine unerschöpfliche Quelle des heilsamsten Trostes herzuleiten.

Unterstützt von denen Gründen, belebt von dem Feuer der geheiligten Religion, entzieht sich mein forschender Geist dieser traurigen Scene, und suchet in jenen seeligen Gefilden des Friedens, in der Gesellschaft derer Auserwählten, unter denen Fittigen derer Seraphinen, vor dem Throne des Ewigen, den verklärten Geist dieses erblaßten Leichnams – – und siehe! – – ich finde ihn! – –

Mit verdoppelten Schritten bemüht sich der emsige Wanderer alle Hindernisse des langen und beschwerlichen Weges geschwinde zu übersteigen; hat er aber den Ort seiner Bestimmung erlangt: So athmet er langsam Erquickung und Ruhe in sich, und jeder Zug seines Gesichtes mahlet die Zufriedenheit seines Herzens.

So finde ich ihn, jenen verklärten Geist, wandeln in denen Sphären des Lichtes. – Sein Lauf ist herrlich vollendet. – Himmlische Freude lächelt aus seinem Blicke. – Die Lorbern des fürtreflichsten Sieges umkränzen sein Haupt. – Keine Ab- <Seite 7:> wechselungen stören die Dauer seines Glücks. – Ihm ist wohl, Ihm ist ewig wohl. –

Darum höret auf, trostlose Klagen, den Schluß der Vorsehung zu bestürmen, und sträflich darwider zu murren! Höret auf, dem vollendetem Gerechtem die vollkommene Belohnung seiner Verdienste, deren er in der Welt nie theilhaftig werden konnte, zu mißgönnen! Stillet euren Lauf ihr Thränen der ehelichen, kindlichen, freundschaftlichen Pflicht! Denn, dem, den ihr als Gemahl, als Vater, als Freund, als Wohlthäter, beweinet, dem ist wohl, dem ist ewig wohl. –

So geniesse denn sein verklärter Geist die Freuden des Himmels, er geniesse sie ewig! – Welch unaussprechliches Glück! – Sein entseelter Leichnam ruhe sanft in dem kühlen Schooß der Erden, bis zu dem unausbleiblichen Tage seiner Verherrlichung! – Sein ruhmvolles Andenken aber, verlösche niemals in denen Herzen derer, die ihn gekannt, verehrt, bewundert, geliebt haben! – –

Durch mich Durchlauchtige Prinze, Hoch= und Hochwohlgebohrne, Höchst= und Hochgebiethende, allerseits Höchst= und Hochgeehrteste Anwesende, entledigen sich auch nunmehro, die hinterlassene Frau Wittwe, und ganze Familie, derjenigen ehrfurchtsvollen und gehorsamsten Danksagungen, welche sie Höchst= und Hochdenenselben, dafür allerdings schuldig zu seyn erkennen, daß Höchst= und Hochdieselben die lezten Beweise Dero <Seite 8:> huldreichen Gnade, und schätzbaren Freundschaft, gegen den Verstorbenen öffentlich an den Tag zu legen, und diese letzten, ihm wiederfahrenden Ehrenbezeugungen durch Dero persönliche und zahlreiche Gegenwart zu verherrlichen, zu erheben, geruhet haben.

Und endlich unterwinde ich mich, mir, für mich selbst, ein gnädiges und gelindes Urtheil zu erbitten, wenn ich bey dieser feyerlichen Gelegenheit, und von einem so erhabenen Gegenstande, mehr in denen Ausdrücken eines gefühlvollen Herzens, als in der Stärke eines Redners gesprochen habe.


[Anonym:] Wozu es gut ist, daß ein Buch vollkommen schlecht sey? Auflösung, Anekdote, psychologisches Fragment, oder was man will. In: Litteratur- und Theater-Zeitung. Für das Jahr 1784. Erster Theil. No. V (31. Januar 1784), S. 74f. Berlin: Arnold Wever. (Digitalisat.)

<Seite 74:>

Wozu es gut ist, daß ein Buch vollkommen schlecht sey? Auflösung, Anekdote, psychologisches Fragment, oder was man will.

Vor kurzem gerieth ich über ein neu herausgekommnes Buch, dessen Titel war: Raisonnirendes Theaterjurnal von der Leipziger Michaelmesse 1783. Der Freund, bei welchem ich dies Buch fand, schlug mir geschwind eine Stelle darinn auf, die mich besonders interessiren mußte, weil sie ein Pflegkind von mir angieng, das ich erst kürzlich, nachdem es nach seines wahren Vaters Tod lange versteckt geblieben war, neu gekleidet und ausstaffirt wieder in die Welt geschickt hatte. Ich las und fand ungesittete Grobheit, unbegreiflich seichte Kritik und endlich gar augenscheinliche Unwahrheiten wider den armen Jungen verschwendet. Bei ersteren dacht’ ich: laß! der Junge mag sich selbst heraushelfen. Wie ich aber auf die Lügen kam, glaubt’ ich, es wäre um der Gerechtigkeit willen gut, daß man einem Lügner unter die Augen sagte: du hast gelogen. Auch dauerte mich der Junge selbst, den wahrscheinlicherweise nicht jedermann fragen würde, ob’s wahr wäre, was jener von ihm gesagt hätte? Ich nahm das Buch mit, um es ganz durchzulesen, und die Stellen anzuzeichnen, die ich bei einer ausführlichen Rezension zu rügen haben würde, deren einige mir mein Freund im voraus schon zur beliebigen Züchtigung empfohlen hatte. Ich las – aber o Himmel! Meine Erwartung wurde so unendlich übertroffen, daß sie eben deswegen würklich getäuscht war. Ich dachte Stof zum Scherz, zu einer unterhaltenden Satyre zu finden; und ein unüberwindlicher Ekel bemächtigte <Seite 75:> sich meiner, da ich anfieng zu lesen, und verlies mich nicht, bis ich fertig war. Ich glaubte einzelne Fehler und Gebrechen zu finden, welche die kritische Geissel verdienen möchten; und das Ganze war ein elender Krüppel, von welchem Kritiker und Leser die Augen wegwenden müssen. So wie Ekel und Mitleiden stieg, verlor sich Zorn und Galle; ich brach endlich gar in ein Stosgebet aus, das ich zur allgemeinen Erbauung hieher sezen will.

O Lessing! Lessing! Möchte doch Dein Schatten furchtbar allen deräsonnirenden Dramaturgen erscheinen! Möcht’ er sie schrecken, daß die Feder ihren Fingern entfiele, und sie ihm angelobten, und auf Dein unsterbliches Werk schwören, kein Schreibwerkzeug wieder, welchen Namen es auch führen möge, mit verrätherischen Absichten gegen gesunde Kritik und wahre Philosophie anzurühren! Amen.

Dies war meine lezte Aufwallung, und so ist den Lesern dieser Zeitung die Mühe erspart worden, eine Kritik von vielen Seiten über besagtes Buch zu lesen oder – zu überschlagen. Also kann es seinen Nuzen haben, daß ein Buch ganz schlecht sey, w. z. E. w.

Der Umarbeiter von Liebe
macht den Mann.


Christ. Gottfr. Hammann [Wirt im Hôtel de Saxe auf dem Valentinskamp in Hamburg]: Brief vom 23. 8. 1806 über die letzten Lebensjahre von Johann Friedrich Ernst von Brawe in Hamburg. Das Original liegt im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden (Sign. 12881 Genealogica Brawe, 570). – August Sauer hat bereits 1878 aus diesem Brief zitiert, der ihm als Abschrift oder Zusammenfassung vorgelegen haben muss (vgl. bei ihm S. 3, Fn. 2). In meiner Dissertation »Triumph der Rache« wird der Brief auf S. 26 referiert. Aus diesem Brief erschließt sich die Verfasserschaft J. F. E. von Brawes für die beiden kurzlebigen Wochenschriften »Raisonirendes Journal vom deutschen Theater zu Hamburg« (1800–1801; ein Exemplar liegt in der Hamburger Stabi vor, es wird momentan bei Wikisource transkribiert) und »Hamburgisches Wochenblatt für die Jugend und ihre Erzieher« (1803; kein Exemplar bekannt). Die erste (und wohl auch die zweite) Schrift wurde unter dem Pseudonym ›J. F. Ernst‹ herausgegeben. In der folgenden Abschrift sind unsichere Stellen mit Fragezeichen gekennzeichnet, Ergänzungen in eckigen Klammern.

<Brief Seite 1:>

Hamburg den 23. August 1806.

HochEdelgebohrner Herr!

Im Jahre 1798. den 17. August kam der Herr J. F. E. von Brawe mit seiner angeblichen Frau, eine gebohrne Fräulein von Joung [Sophie von Jungk?] unter dem Namen Ernest bey mir von Amsterdam an, sie war als Sängerin bey den hiesigen Theater angenommen, ihre Stimme war sehr schön, ach [?] wurde also in 3. Monaten wieder von der Bühne entlaßen. Sie, die Fräulein, oder Frau von Brawe war belehnt mit dem 1/3. Antheil des Gutes Auerstädt, diesen Antheil wolte sie verkaufen, er nahm zu dem Ende den Advocaten Hahle in Leipzig, um dieses zu verkauffen an, dieser gute Mann, hat aber in 18. Monat nicht daran gedacht, sie wurde krank an der Auszehrung, nun können sie wohl einsehen, was das kostet, an Medicin, Aerzten, Essen, Trinken, Wohnung, für Mann, Frau, Kind und Mutter, Magd, sie lebte bis den 14. Dec: 1799. nun hatte ich alle die großen Ausgaben, und Krankheits Unkostung auf mich genommen, weil ich <Brief Seite 2:> durch des von Brawe Vorspiegelung, glaubte, wer Erben wollte, müsste auch die Schulden bezahlen. Ich schickte im Jan: 1800. einen Rechtsgelehrten nach Dresden um etwas von meinen vielen Gelde wieder zu erhalten, aber gar nichts, nicht einmal die Begräbnißkosten habe ich erhalten, ich möchte wohl wißen, ob die Rechte in Sachsen so sind, daß man Erben kann, ohne die Schulden des Beerbten zu bezahlen.

Wie der Rechtsgelehrte mit leeren Händen, und mein Geld verreist hatte, so spiegelte mir der Herr von Brawe vor, ich sollte mit ihm nach Leipzig reisen, er wollte gemeinschaftlich mit den Herrn Hahle die Sache in Ordnung bringen, ich lies mich überreden, er blieb in Sachsen 3. Monate, kam abermals unverrichteter Sache wieder zurück. Nun kam wieder ein Neues von ihm ersonnenes Mittel zum Vorschein, Nemlich die Mutter von der Baroneße, ist noch in meinem Hause, da glaubte der Herr v Brawe, sie sollte Erben, oder das Kind, ein Mädchen von 8 Jahren, welche auch noch bey mir ist, sollte mitErbin werden. Aber leider habe ich alle die Aufopferungen gemacht ohne die Mindste Hofnung. Der Herr von Brawe <Brief Seite 3:> hat hier in Hamburg unter dem Namen Ernst zwey Wochenblätter zu schreiben angefangen, allein die Unkosten habe ich bezahlt, das Blatt blieb ungelesen, ich habe ihn also theils aus meinem Beutel, auch habe ich manchmal von meinem Bekannten etwas für ihn gesammelt, erhalten, wollte oder brauchte er Nothgedrungen Kleidung, so muste ich dafür sorgen, bis er endlich Gottsey dank den 14. Januar 1806. gestorben ist, aber so in Armuth, und wo er zulezt seine Sachen und Briefe gelaßen hat, kann ich Ihnen nicht sagen, den Todtenschein kann ich Ihnen auch nicht verschaffen, da er hier als Ernst begraben worden, sollten Sie aber sonst noch etwas von ihm wißen wollen, so beehren sie mich, ich werde alles mit dem größten Vergnügen Ihnen schreiben, was ich weis, ich bin mit vieler Hochachtung und unter bester Empfehlung an die Wittwe von Brawe dero ganz ergebener

C. G. Hammann


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